Wer meine züchterischen Bemühungen über die Jahre mitverfolgt hat, weiß, wie viel Mühe und jahrelangen Aufwand es für mich bedeutet hat, bis meine Cuy-Zuchtttiere endlich reinrassig Glatthaar waren. Also eben keine rezessiven Lockengene mehr vererbten. Und bis die Pink Eyes weg waren – ähnliches Drama. Nein, trägerfreie Tiere in Glatthaar gab es eben nicht zu kaufen.

Da es 2019, als ich zu züchten begann, definitiv keine Genlabore gab, die Gentests hinsichtlich Meerschweinchen anboten, war fast mein halber Stall fünf Jahre lang voll mit Tieren, die reinerbig rezessiv genau das waren, was ich eben nicht züchten wollte (Rexe und CH-Teddys mit Pink Eyes), um an diesen per Testungsverpaarungen mühsam „auszumendeln“, welche meiner eigentlichen Zuchttiere denn nun Träger von irgendetwas Unerwünschtem waren, um diese Tiere entweder sofort von der Zucht auszuschließen oder auf ein reinerbiges Tier zu ziehen und die Testung beim Nachwuchs frohgemut-optimistisch zu wiederholen.

Ich kann das gerne mal vorrechnen: Angenommen der Unterhalt eines Meerschweinchens läge im Monat bei 10€ (ohne Tierarztkosten, ist also niedrig gegriffen). Bis zum Vorliegen des ersten Testungsergebnisses wäre es 6 Monate alt. Macht 60€. Dann braucht es aber, um statistisch eine fundierte Aussage treffen zu können, zumindest noch eine zweite Testung. Also nochmal grob 3 Monate on Top. Steht man schon bei 90€. Und dann braucht es aber natürlich auch noch ein reinerbig rezessives Tier, denn ein zu testendes Tier testet sich ja nicht selbst. Also das ganze x2. Ergibt 180€. Nun braucht man aber mehr als nur ein trägerfrei getestetes Tier, um eine Zucht aufzubauen. Kann man sich ja ausrechnen. (Das ist nach meiner Ansicht der eigentliche Grund dafür, weshalb unter den Cuy-Züchtern diesen Aufwand außer mir niemand betreibt oder jemals betrieben hat). Aber nun gut, nach fünf Jahren hatte ich mein Ziel erreicht. Keins meiner Zuchttiere hat noch eine über 0,1% Wahrscheinlichkeit dafür, rezessive Locken oder Pink Eyes zu vererben.

Nun stelle ich aber aktuell meine Zucht um: Mittelfristig möchte ich nur noch Schwarz-Weiß-Agoutis züchten. Derzeit habe ich aber nur eine einzige Zuchtsau, die überhaupt Schwarz-Weiß-Agouti ist; assistiert wird sie aktuell noch von nur vier Schwarz-Creme-Agoutis. Und einem großen Rudel weißer Tiere. Wer sich mit Meerschweinchengenetik auskennt, weiß, dass Agoutiveranlagung auf weißen Tieren (genetisch Rotreihe ee) nicht zu sehen ist. Und dass man auch Agoutis nicht an der Nasenspitze ansehen kann, ob sie nun reinerbig Agouti sind oder spalterbig. Da ich auf weitere 5 Jahre Ausmendeln und Testungsverpaarungen aber keine Lust mehr hatte, hatte ich überlegt, stattdessen über Selektionszucht zu arbeiten. Heißt: Purzelt ein Agoutiwurf und da sind Non-Agoutis darunter, gehen die natürlich nicht in die Zucht und die Eltern des Wurfes auch nicht mehr, da sie offensichtlich noch Non-Agouti vererben. Ich habe die KI gefragt, wie lange es dauert, bis man auf diese Weise die Wahrscheinlichkeit dafür, dass noch „Non-Agouti-Träger“ in der Zucht herumwuseln, auf unter 0,1% gedrückt hat. KI antwortete: 1998 Generationen. Macht 999 Jahre. Kein Scherz. KI ergänzte, dass ein DNA-Test auf das A/a-Allel (und klar, auch auf das E/e-Allel) wohl sinnvoller sei, als Selektionszucht.

Ich erklärte, dass ich bislang kein Genlabor gefunden hätte, welches überhaupt Gentests für Meerschweinchen anbieten würde. Der wie immer etwas besserwisserische Chat GPT antwortete, ich solle es mal bei genomia.cz oder lauk-breitling.de versuchen. Das deutsche Labor antwortete nicht.

An genomia schrieb ich per Google Translater:
Vážený pane/paní,
Chovem morčat se zabývám již mnoho let a téměř stejně dlouho jsem
hledal/a laboratoř, která by nabízela testování čistoty plemene, čistoty
zbarvení a specifických dědičných chorob. Testování párování („Mendeln“)
je nákladné a časově velmi náročné. Byl/a bych rád/a, kdybychom si o tom
mohli více promluvit.
S pozdravem

Ich weiß inzwischen selbst nicht mehr, was das eigentlich hieß.

Genomia antwortete:
We do not perform Cavia porcellus testing. Anyway, we are specialized for developing new tests. So if there are customers who are interested in testing, we are ready to develop new tests. I have checked researches about Cavia porcellus. There are just several gene mutations described that cause coat colors and diseases. Unfortunately researches is very limited. Only these tests could be validated now:

  • long coat
  • recessive black
  • brown MCR1 related
  • oculocutaneous albinism type I
  • Cataract
  • Mannosidosis

Please, could you tell me what are you interested in?
S pozdravem / Best regards

Ich fiel fast vom Glauben ab.
Das mit den Genlaboren funktioniert wie folgt: Zuerst kommt ein ambitionierter Wissenschaftler – üblicherweise eine chinesische Doktorantin – und forscht zur Verortung bestimmter Gene im Erbgut von Meerschweinchen. Meerschweinchen sind relativ beliebt für solche Forschungen, weil sie weniger Platz brauchen, als ein Rudel Highland-Kühe, aber genetisch näher an zuchtrelevanten Säugetieren dran sind, als Mäuse. Anschließend publiziert sie ihre Ergebnisse und ab diesem Zeitpunkt ist es also möglich, dass ein Labor (wo auch immer) auf dieser Grundlage einen Gentest entwickelt.

In meinem Fall – es geht ja um Schwarz-Weiß-Agouti – interessierte ich mich akut für einen Gentest auf dem A-Locus sowie etwas später auch auf dem E-Locus. Der A-Locus und E-Locus fanden sich in der Liste der Möglichkeiten unter obigem „recessiv black“. Zu meiner großen Freude sah das Labor für die von mir begehrten Testungen einen Markt und sagte mir im November 2025 zu, voraussichtlich bereits bis Februar 2026 solche Gentests entwickeln zu können. Ich musste auch nix für diese Entwicklungskosten zahlen. Die Gentests werden bei Einzeltestung auf A. oder E. voraussichtlich 30€ kosten und bei Kombiuntersuchung auf A.- und E.-Locus 50€ je Tier. Die Entwicklung weiterer Genuntersuchungen auf Meerschweinchen ist vorstellbar. Das Genmaterial wird per Wangenabstrich erhoben. Mitte Januar gingen erste „Probeabstriche“ von Tieren, bei denen ich sicher wusste, dass sie Aa bzw. aa bzw. Ee bzw. ee sind, an das Labor zwecks Validierung der entwickelten Gentests.

So etwas löst bei mir begeisterten Kreischalarm aus. In meiner Züchter-Whats-app-Gruppe war die Reaktion hingegen sehr verhalten. Eine stellte die These auf, dass sich das für das Labor bestimmt nicht rechnen würde, eine andere statuierte, sie bräuchte so was nicht. Ich für meinen Teil suche mir hingegen als nächstes eine chinesische Doktorantin, die ich davon überzeugen kann, die Verortung der sogenannten Satinkrankheit vorzunehmen und anschließend werde ich deren Ausrottung betreiben. Ich habe und hatte noch nie Satins in der Zucht und habe dies auch nicht vor, aber ich sehe hier einen wirklich sinnvollen Einsatz für Genuntersuchungen.


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert