Ich bin Jahrgang 1975, lebe auf der Stadtgrenze zwischen Königswinter und Bad Honnef und halte seit meinem dreizehnten Lebensjahr nahezu durchgängig Kaninchen und Meerschweinchen. Auf die Cuys bin ich allerdings erst im Laufe des Jahres 2019 gestoßen. Ich wurde eher zufällig auf ihre Existenz aufmerksam, war aber von ihrem imposanten Erscheinungsbild direkt fasziniert. Sie sind zweifelsohne etwas Besonderes. Die Cuyzucht ist in Deutschland noch nicht übermäßig weit verbreitet und es reizte mich, hier Neuland nicht nur für mich persönlich zu betreten. Soweit mir bekannt ist, gibt es in 50 Kilometer Umkreis keine weiteren Züchter dieser besonderen Tiere. [Update 2025: Nachdem die Zuchten bei Frankfurt und im Ennepetal dicht gemacht haben, würde ich fast sagen: In 150 Km Umkreis. Es ist ja nicht alles ein ernstzunehmender „Züchter“, der Cuys miteinander verpaart].
Meerschweinchenzucht ist ein sehr teures Hobby, mit dem sich kein finanzieller Gewinn erwirtschaften lässt. Deshalb besteht kein Gewerbe und steuertechnisch liegt Liebhaberei vor. Da bei mir zudem weit unter 99 Jungtieren pro Jahr purzeln, was bei Meerschweinchen als Grenze gesetzt wurde, bin ich auch nicht beim Veterinäramt als Zucht gemeldet und keinen regelmäßigen Kontrollen unterworfen. (Heißt nicht, dass die nicht schonmal vorbeigeschaut hätten – eine Visite voller Wertschätzung beiderseits – nicht ironisch gemeint. Sie machen einen wichtigen Job und ich fachsimpel unheimlich gern.)
Im Gegensatz zu Kaninchenzüchtern, die zumeist nur ein oder zwei Rassen mit zudem einer Fellfarbe züchten, schienen (und scheinen!) mir die allermeisten Cuyzüchter überwiegend wenig spezialisiert. Die Ursache dafür scheint mir darin zu liegen, dass es nur wenige „reinerbige“ Zuchten und auch entsprechend wenige „reinerbige“ Cuys gibt (beziehungsweise umgekehrt) und die generelle Freude an der Vielfältigkeit der Fellzeichnungen und -Formen überwiegt, wohingegen die gezielte Züchtung nach Rassestandards nicht im Fokus steht. So wie auch Cuys generell bei Meerschweinchenschauen noch eher ein Randphänomen sind. Mit letzterem habe ich kein Problem, aber mit ersterem.
Es ist mir unverständlich, wie sich jemand Züchter nennt, der einfach mehr oder minder wahllos Tiere miteinander verpaart, bei denen Farben und Rassen im Blindflug kreuz- und quergehen. Bittesehr, macht doch, was ihr wollt, solange die Tiere nicht drunter leiden, aber nennt das doch bitte nicht „züchten“.
Da ich bei diesem Gen-Gematsche nicht mitmachen wollte, da es meinen Qualitätsansprüchen an zielgerichtetes Züchten nicht entspricht, bin ich den Knochenweg gegangen und habe (da es keine entsprechenden Genuntersuchungen gab) auf klassischem Wege über mehrere Jahre hinweg durch Testungsverpaarungen die Genetik meiner Zuchttiere „ausgemendelt“ und unerwünschte rezessive Gene durch Verdrängungszucht aussortieren können.
Schon vor Zuchtbeginn fand ich mich mitten im Biologieunterricht wieder, setzte mich intensiv mit der Farb- und Rassegenetik von Meerschweinchen auseinander, besuchte entsprechende Fortbildungen, analysierte das Erscheinungsbild und die Stammbäume verfügbarer Ausgangstiere und ihrer Eltern und schlussfolgerte daraus, welche Tiere in welcher Kombination am ehesten meinem Zuchtziel dienlich sein könnten. Aus diesem „Drama“ entstand dann schließlich mein schöner Ratgeber zu „Stochastik in der Meerschweinchenzucht“. In allen Ausgangstieren (außer bei den dreien von Saskia Köhler) hingen rezessive Lockengene in irgendeiner Form drin, teilweise waren sogar CH-Teddys mit Rexen vermixt worden. (Das ist ein züchterisches No-Go). Und Pink Eyes allerorten.
Warum ich reinerbig Glatthaar dunkle Augen züchten möchte und keine Lockentiere oder Pink Eyes erfahrt ihr unter „Tierwohl in der Zucht“.
2023 war ich als erstes die Rexträger los, zudem waren wunderschöne Schwarz-Weiß-Agouti gepurzelt. Diese wurden dann 2024-2025 durchgetestet und in Verdrängungsverpaarungen gezogen, bis sie ihre CH-Teddy und Pink-Eyes-Trägereigenschaften los waren. Doch irgendetwas rubinaugenerzeugendes flitzte noch durch die Gene, was schließlich als Himalayaträgerschaft (Sable) identifiziert und _optisch_ ausgesondert werden konnte (Tiere mit ca.cr. zeigen nämlich deutlich rötliche Augen! Wohingegen cd.ca. dies nicht zeigen. Man nehme also cr.cr. Nachkommen der Sables, die keine rötlichen Augen haben und schon ist das Thema gegessen!) Da aber Sable-Jungtiere bisweilen wie Schokolade bei der Geburt aussehen (was ja auch Rubinaugen erzeugt, allerdings auch auf cd.cr.) und erst nach einigen Wochen bis Monaten zu Schwarz nachdunkeln, war ich argwöhnisch und teste aktuell noch ab, ob nicht zusätzlich doch auch Schokolade, also .b drinsteckt. Die bislang erfolgten Testungen ergaben kein Schokolade, ein (hoffentlich) letzter Test läuft noch bis Frühjahr 2026.
Nachdem die KI mir erklärt hatte, es gäbe doch inzwischen auch hinsichtlich mancher rezessiver Gene die Option zu Gentestes, habe ich sofort Kontakt zu einem entsprechenden Labor aufgenommen und wir sind nun miteinander in Verhandlung gegangen. Wenn alles wie geplant läuft, werden im Frühjahr 2026 die ersten Gentest für das Agouti-Allel zur Verfügung stehen, wenig später auch solche auf die Schwarz-/Rotreihe. Was Gentests angeht, würde ich gern mittelfristig die sogenannte Satinkrankheit ausrotten, auch wenn ich kein Satin züchte und noch keins meiner Tiere diese Erkrankung hatte. Ihr merkt: Ich begeistere mich auf hohem Niveau für medizinische und biologische Themen. Und ich stelle gern aus fachlicher Sicht bisherige Annahmen auf den Kopf. Aus meiner Korrespondenz ergab sich, dass das bisher vermutete Allel bb gar kein eigenständiges ist, sondern auf dem Schwarz-Rot-Allel liegt. Dominanzreihe mutmaßlich E=B-b-e (ich vermute, dass die Zweifarbigkeit ep im Gegenzug was eigenes ist, den Zweifarbige gibt es ja in Schwarz-Rot ebenso wie in Schokolade-Rot).
Natürlich habe ich die Züchterprüfung beim MFD abgelegt, sämtliche Farb- und Rassegenetikkurse besucht, die angeboten wurden und auch einen solchen zu Erkrankungen von Meerschweinchen. Ich habe zahlreiche Videos vom INIA gesehen und die Transkriptionen ins Deutsche übersetzt. Ich habe das „genetische Rätsel“ um die hierzulande Pink Devil genannten Tiere gelöst, das oben bereits erwähnte Fachbuch zur Stochastik in der Meerschweinchenzucht verfasst und dafür meinen zweiten Qualitätsstern als Auszeichnung erhalten. Ich habe schon Tiere erfolgreich nach Spanien, Tschechien und in die Schweiz exportiert. Und ich chippe eventuelle Doppelgänger in meiner Zucht, um sie sicher unterscheiden zu können.