Es gibt nicht wenige Meerschweinchenhalter, insbesondere solche von Notfellchen, welche Züchter als die Antichristen per se ansehen. Denn a) es gibt nun wahrlich genug Meerschweinchen in Tierheimen. Züchter vermehren Tiere und tragen nach dieser Logik die Schuld am Tierleid. Außerdem gibt es b) auch so etwas wie Qualzuchtrassen – also Rassen, die über Eigenschaften verfügen, unter denen die Tiere leiden.

Ich wage aber zu a) zu behaupten, dass diese Tierheimtiere nicht von seriösen Züchtern dort abgeladen wurden und allzuoft auch nicht aus seriösen Zuchten stammen. Meine These: Jemand, der bei einem seriösen Züchter kauft, muss Auskunft zu seinen Haltungsbedingungen geben und wird bei mangelnden Vorkenntnissen aber gutem Willen umfangreiche Informationen zur Haltung und Ernährung erhalten. Er wird dort auch deutlich mehr Geld bezahlen für ein Tier. Kurzum: Er hat zumindest den Anschein erweckt, sich seinen Kauf und dessen Folgen sehr genau durchdacht zu haben oder er wird von einem seriösen Züchter kein Tier erhalten. (An diesem Punkt besteht kein Unterschied zwischen seriösen Züchtern und seriösen Notstationen!).

Wohingegen jemand, der ein Meerschweinchen anonym für 10€ als unüberlegten Spontankauf bei Kleinanzeigen besorgt hat, nach meiner festen Überzeugung viel eher dazu neigt, es baldmöglichst wieder irgendwo loswerden zu wollen. Entweder, weil die Kinder das Interesse verloren haben oder das Tier krank geworden ist oder plötzlich Junge bekommen hat, weil der Vorbesitzer eben kein seriöser Züchter war und sowieso keine Ahnung von irgendwas (Geschlechtsbestimmung) hatte und die Viecher selbst einfach bloß loswerden wollte.

Genaugenommen geht es bei der Frage des Tierwohls primär um Haltungsbedingungen. Ich als Züchter kenne inzwischen sehr viel mehr potentielle Käufer, denen ich Tiere von mir nicht anvertrauen wollte, als Züchterkolleg:innen, denen ich meine Tiere nicht überlassen würde. Doch das ist subjektiv. Schlecht sind jedenfalls nicht „die Züchter“ oder „die Liebhaberhalter“, sondern schlecht sind alle, die sich um ihre Tiere nicht ordentlich kümmern.

Ich achte auf das Wohlbefinden meiner Tiere. Bei der Größe meiner Gehege und deren Ausstattung orientiere ich mich an den Vorgaben der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Sie erhalten täglich gemischtes Frischfutter in einer Menge von mindestens 20% ihres Körpergewichtes. Hinsichtlich der Fütterung mit Pellets herrschen ja Zustände wie beim Elterabend im Kindergarten, wenn es um das Mittagessen geht. Ja, neben Frischfutter und Heu erhalten meine Tiere auch Pellets. Aus folgenden Gründen: Es gibt immer mal „Picking“-Eater, die es schaffen, zielgerichtet bestimmtes vitaminhaltiges Frischfutter zu umschiffen, was zur Mangelversorgung führt, obwohl das Angebot da wäre. Verrückt, ist aber so. Mit den auf den Vitaminbedarf von Meerschweinchen abgestimmten ergänzend gegebenen Pellets ist mir das nicht mehr passiert. Zwotens benötigen schwangere Tiere, solche in der Stillzeit und Aufzucht einfach mehr Kalorien und mehr Calcium. Wehenschwäche, Wehenstillstand sowie Calciumanämie und Milchmangel sind vermeidbar. Toxikosen / Ketosen in der Endschwangerschaft ebenso. Und die Antwort auf beides: Die darauf abgestimmten Pellets. Hochkalorisch und Calciumreich. Da fang ich auch keine Diskussion mit Laien mehr an, selbst Schafzüchter wissen, wovon ich rede, die nennen das dann halt Kraftfutter und wissen, dass Wiese bei schwangeren Schafen oft nicht reicht.

Sauen sowie Böcke werden frühestens mit einem Gewicht von um die 1000g zur Zucht eingesetzt (das ist um den dritten/vierten Lebensmonat herum der Fall). Die Sauen erhalten zudem nach dem Abstillen eine individuelle Zuchtpause, die sich u.a. an ihrem Gewicht orientiert (viele magern durch die körperliche Belastung etwas ab). Die Gehege sind weitläufig und mit Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten ausgestattet, wie es dem Wesen der sich-im-Gras-Verstecker entspricht. Jungtiere wachsen im eingeschlechtlichen, sozialisierenden Familienverband auf, dem ein Leitbock bzw. eine Leitsau vorsteht.

Aufgrund der zunehmenden Hitzeperioden im Sommer und der Hitzeempfindlichkeit der Tiere habe ich mich (das war eine Vernunftentscheidung) hinsichtlich der Damen gegen ein Außengehege und für klimatisierte Innengehege entschieden. (Im Sommer max. 20 Grad, im Winter halte ich sie bei 10 Grad, zudem wird durch die gesteuerte Belüftung die Luftfeuchtigkeit reduziert und eventuelle Ammoniakdämpfe abgeleitet). Gereinigt wird natürlich trotzdem alle 2-3 Tage.

Ich halte meine Tiere nicht auf Gras/Erdreich. Ausnahmslos alle Tiere, die ich aus einer solchen Haltung bezogen hatte, waren mit Würmern und/oder Kokzidien infiziert. Und: Die wird man auf Gras/Erdreich auch nie wieder los! Anders als bei Hunden/Katzen/Pferden etc., wo schlicht Befallsmanagement durch regelmäßige Entwurmungen erfolgt, habe ich als Meerschweinchenzüchter den Qualitätsanspruch, gesunde Tiere zu verkaufen. Also sind und müssen meine Gehege desinfizierbar sein. Zudem führe ich regelmäßige, zumindest jährliche Kotkontrollen durch. Die letzten Jahre -abgesehen von Neuzugängen in Quarantäne- waren diese immer ohne Befund.

Ich habe UVB-Lampen. Ohne direkte Sonneneinstrahlung würde es sonst hinsichtlich der Vitamine schwierig. Die Leuchten sind an eine Zeitschaltuhr angeschlossen. Zudem habe ich eine eine Niederdruck-Wasserzentralversorgung, die täglich frisches Wasser zur Verfügung stellt. Sowie ein Ammoniakmessgerät (steht seit geraumer Zeit dauerhaft auf Null). Bin ein wenig ein Technikfreak.

Seit der Umstellung meiner Haltungsform von Boden-Fleece-Molton-Haltung auf Gehege mit federndem, trittsicherem und teil-perforiertem Boden vor inzwischen anderthalb Jahren ist kein einziger Fall von Fußverletzungen aufgetreten. Hingegen konnte die Anzahl von postnatalen Augenverletzungen durch herumliegendes Heu o.ä. sowie (das betraf vorrangig ältere Tiere) von Pododermatitis auf Null (!) reduziert werden. Es ist auch kein Fall von „Och, ich zieh mal den Nippel aus der Leitung und mache Überschwemmung“ aufgetreten (und selbst wenn, säßen die Tiere weiterhin im Trockenen, denn das Wasser würde ja abfließen). Bei aller Skepsis, die ich selbst zuvor hatte, kann ich das nur als vollen Erfolg werten.

Meine Zucht ist klein, aber fein. Ich führe nur 2x/Jahr Verpaarungen durch. Mein Tierbestand liegt zwischen 30 bis 40 Tieren gesamt, davon 12 im aktiven Zuchteinsatz und ebenso viele in der Aufzucht zum Zuchtverbleib; die übrigen sind Abgabe- oder Erziehertiere. Das ist für eine Zucht genaugenommen die Mindestgröße, um die genetische Diversität sicherstellen zu können. Als ich freiberuflich vorrübergehend ungewohnt viel zu tun hatte, hatte ich eine Stallhilfe eingestellt, damit meine Tiere weiterhin gut versorgt sind.

Nun zum Punkt b) der Vorwürfe: Qualzuchtrassen. Tiere mit unerwünschten genetischen Eigenschaften werden von mir von der Zucht ausgeschlossen. Unerwünscht sind von mir Lockengene und Pink Eyes sowie weitere Gene, die mit deutlich rötlichen Augen einhergehen. Ich züchte ausschließlich Glatthaartiere mit kurzem Fell und dunklen Augen. Warum? Ich persönlich habe den Eindruck, dass CH-Teddys und Rexe häufiger unter Fell- und Hautirritationen leiden. Tatsache ist, dass sie unter Qualzuchtverdacht stehen, da ihre Vibrissen gekräuselt sind, was möglicherweise ihre Orientierung erschwehrt. Und warum ich nur dunkle Augen züchte? Tiere mit pinken oder roten Augen vertragen erwiesenermaßen Sonneneinstrahlung nicht so gut. Da der überwiegende Teil meiner Kaufinteressenten die Tiere ganzjährig draußen hält, wären pinke Augen oder rötliche Augen nach meiner Überzeugung nicht im Sinne des Tierwohls. Langhaartiere finde ich grundsätzlich schwierig. Ich glaub, wenn die es sich aussuchen dürften, hätten sie lieber kurzes Fell.

Was spricht dafür, Tiere von mir zu beziehen?

Ich werde Ihnen eine ehrliche Rückmeldung dazu geben, ob Ihre Haltungsbedingungen geeignet sind.
Sie bekommen vor und auch nach dem Kauf ihre Fragen wirklich kompetent beantwortet.
Sie können sicher sein, dass wenn ich Ihnen eine Dame verkaufe, dies wirklich ein Weibchen ist.
Ich verkaufe keine „überraschend“ schwangeren Tiere.
Sofern Sie selbst züchten, können Sie bei mir die europaweit einzigen verfügbar nachweislich reinerbigen Glatthaartiere, die zudem frei von Pink Eyes sind, erwerben.
Ich verkaufe nur augenscheinlich gesunde Tiere.
Meine Tiere werden regelmäßig auf Darmparasiten untersucht und sind frei von diesen.
Meine Tiere können ganzjährig in Innen- oder Außenhaltung wechseln.
Meine Tiere werden gesund ernährt, haben ausreichend Platz und werden optimal mit anderen sozialisiert.