Das wichtige vorweg: Wer nicht bereit oder fähig ist, seinen Cuys (keine Einzelhaltung!) ein ausreichend großes Gehege gemäß der Empfehlungen des TVT zur Verfügung zu stellen, ihnen täglich Frischfutter in ausreichend großer Menge zukommen zu lassen und nicht bereit oder in der Lage ist, im Ernstfall auch mal tausend Euro für eine tierärztliche Behandlung zu erübrigen, sollte keine Cuys halten.

Nun zu den Sachinfos: Im deutschsprachigen Raum werden Riesenmeerschweinchen als „Cuys“ bezeichnet. Im Vergleich zu den „normalen“ Meerschweinchen, mit denen sie eng verwandt sind, sind sie erheblich größer und schwerer. Aufgrund ihrer höheren Scheu sind sie noch weniger als Kuscheltier oder für Kinder geeignet als die „normalen“ Meerschweinchen.

Ihre Haltung erfolgt gruppenweise und (sofern die Männchen nicht kastriert sind) geschlechtergetrennt in großen Gehegen (siehe hierzu die Empfehlungen des TVT, wenngleich er unzutreffend davon ausgeht, dass Cuys erheblich mehr Gehegefläche brauchen – freilich brauchen sie größere Häuschen). Cuys verstehen sich mit normalen Meerschweinchen und können gemeinsam mit diesen gehalten werden.

Der Name „Cuy“ entstand aus dem Wort „Quwi“ der Sprache der südamerikanischen Ureinwohner. In Südamerika werden allerdings alle Meerschweinchen als Quwi bezeichnet. Bei „Quwi“ wie auch „Cuy“ handelt es sich um ein lautmalerisches Wort. Ähnlich, wie „Wauwau“ in deutscher Kindersprache einen Hund bezeichnet, geben Meerschweinchen quiekende Laute von sich, die wie „Cuycuy“ klingen.

Riesenmeerschweinchen (Cuy) sind letztlich „normale“ Meerschweinchen, die aber in Südamerika, woher sie stammen, zum Zweck der Fleischproduktion besonders groß gezüchtet wurden. Es handelt sich also ursprünglich um Masttiere, die möglichst schnell viel Fleisch ansetzen sollen. Während normale Meerschweinchen ausgewachsen zumeist um 1 kg wiegen, erreichen Cuys dieses Gewicht bereits nach etwa drei-vier Monaten. Das Endgewicht von männlichen Cuys liegt in Südamerika bei 2-2,5kg. (Die Sache mit den 4 kg ist ein Gerücht, beim Wikipediaartikel habe ich das ausführlicher dargelegt).

Alle in Europa erhältlichen Cuys stammen von einigen wenigen aus Südamerika importieren Tieren ab. Besonders deutlich ist dies für Cuys mit der Fellzeichnung „California“, die bei einfarbigem Fell über eine schwarze oder schokofarbige Nasenzeichnung und dunkle Ohren und Füße verfügen. Diese stammen alle von sechs Tieren ab, welche erst 2012 von Christian Koch (Zucht „von Barnim“) importiert wurden.

Inzwischen gibt es hierzulande Cuys in allen Felltypen und Rassen, die man auch von normalen Meerschweinchen kennt. Die California-Zeichnung ihrerseits kam über die Cuys dann auch zu den normalen Meerschweinchen. In Südamerika gibt es Cuys hingegen hauptsächlich in hellen Farbkombinationen, da dunkle Haut auf dem Teller (man züchtet sie dort zum Verspeisen) unappetitlich aussähe.

Die Verpaarung von normalen Meerschweinchen mit Cuys ist zwar möglich, jedoch gefährlich. Die enorme Größe eines Cuy-Männchens vererbt sich auf die Jungtiere, was für das Meerschweinchen-Weibchen lebensgefährlich ist. Das gilt auch für die männlichen Nachkommen von Cuys bis in die vierte Generation.

Cuys haben wegen ihrer Abstammung von Masttieren immer noch eine kürzere Lebenserwartung, als normale Meerschweinchen und wurden anfangs oft nur 2–3 Jahre alt. Lebensverlängernd ist es, darauf zu achten, dass sie sich viel bewegen und sie nicht mit zu energiereichem Futter zu versorgen. Die Tiere aus meiner Zucht erreichten bei mir ein Alter von 4-5 Jahren.

Cuys werden hauptsächlich von Liebhabern gehalten und sind nicht in Zoohandlungen zu erwerben, sondern nur bei Privatpersonen. (Eine Ausnahme war Zoo Zajac, aber der ist Geschichte).

Cuys fressen dasselbe, wie normale Meerschweinchen: Viel frisches Gemüse, essbare Wildpflanzen (Giersch, Löwenzahn), dazu Heu. Tieren in Aufzucht, Schwangerschaft und Stillzeit sowie in winterlicher Außenhaltung schadet geeignetes und auf die Bedürfnisse abgestimmtes zusätzliches Pelletfutter mitnichten. Der Frischfutteranteil sollte täglich bei mindestens 20% ihres Körpergewichtes liegen. Da kommt einiges zusammen. Sie fressen doppelt so viel, wie normale Meerschweinchen. Den Aufwand, das Grünfutter in ausreichender Menge zu sammeln beziehungsweise die Kosten dafür, es zu kaufen, sollten nicht unterschätzt werden. Pro Tier und Woche fallen schnell 10€ an.