{"id":737,"date":"2021-11-16T06:30:30","date_gmt":"2021-11-16T06:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/pummels.de\/?p=737"},"modified":"2021-11-16T06:30:30","modified_gmt":"2021-11-16T06:30:30","slug":"angehende-hobbyzuechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pummels.de\/?p=737","title":{"rendered":"Angehende &#8222;Hobbyz\u00fcchter&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Vielfach erhalte ich Anfragen von Menschen, die Cuy suchen, um selbst mit der Zucht zu starten. Da ich selbst erst im September 2019 mit dem Z\u00fcchten begonnen habe, habe ich grunds\u00e4tzliches Verst\u00e4ndnis zur einen solchen Wunsch. Und wer mit mir diesbez\u00fcglich korrespondiert, kennt meine Hilfsbereitschaft. Leider kommt mir dabei bisweilen aber auch Kandidaten unter, die bereits seit X Jahren &#8222;z\u00fcchten&#8220;, aber dennoch eine erhebliche Beratungsresistenz an den Tag legen, wenn ich bei dem Versuch, festzustellen, was denn die Zuchtziele des Gegen\u00fcbers sind, um ihm kein f\u00fcr seine Zucht ungeeignetes Tier zu vermitteln, bemerke, dass er farb- und rassegenetischen Bl\u00f6dsinn treibt UND das nicht einsehen oder \u00e4ndern will. Solche Menschen sind in meinen Augen &#8222;Vermehrer&#8220; von Tieren, aber gewiss keine Z\u00fcchter.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei bin ich &#8211; im Vergleich zu anderen Z\u00fcchtern &#8211; bereits ungemein verst\u00e4ndnisvoll. Ich halte es f\u00fcr naturgegeben, dass Anf\u00e4nger noch keine Ahnung haben k\u00f6nnen oder schlicht gern dreifarbige Tiere z\u00fcchten m\u00f6chten. Aber Menschen, die seit x Jahren bereits sinn- und hirnlos Tiere vermehren, die bei Tageslicht f\u00fcr die Zucht ungeeignet sind und meinen, hierbei auf Kenntnisse der Vererbung verzichten zu k\u00f6nnen (weil ihnen egal ist, was purzelt) und dann aber meinen, mich als &#8222;Vermehrer&#8220; titulieren zu m\u00fcssen, weil ich mehr als sechs Tiere in der Zucht habe und mehr als sechs W\u00fcrfe pro Jahr &#8211; da geht mir die Hutschnur hoch.<\/p>\n\n\n\n<p>Um mal die Begrifflichkeiten zu kl\u00e4ren:<br>Ein Z\u00fcchter ist jemand, der ein klares, sich auf <strong>Rasse<\/strong> und <strong>Farbe<\/strong> (ggf. <strong>Zeichnung<\/strong>) beziehendes <strong>Zuchtziel<\/strong> hat. Es ist hierbei sinnvoll, sich an den z.B. vom Z\u00fcchterverband MFD festgelegten <strong>Standards<\/strong> zu orientieren. Ich strebe beispielsweise Cuy in der Rasse Glatthaar und in den Farben Wei\u00df, Creme, Buff mit der Zeichnung California Schwarz d.e. an. Bei mir purzeln regelm\u00e4\u00dfig noch Tiere, die diesem Zuchtziel nicht entsprechen, was damit zu tun hat, dass leider die deutschen Glatthaar-Cuyzuchten mit rezessiven Locken-Gen-Tr\u00e4gern und Pink-Eye-Tr\u00e4gern durchzogen sind und ich den Kampf gegen die diesbez\u00fcglichen Windm\u00fchlen f\u00fchre, denn ich m\u00f6chte Tiere z\u00fcchten, die nicht-nur-so-aussehen als ob sie Glatthaar d.e. w\u00e4ren (=Ph\u00e4notyp), sondern auch genetisch tats\u00e4chlich reinerbig Glatthaar d.e. sind. Zudem sind meine Cremetiere im Vergleich zum Standard (Creme=&#8220;heller D\u00fcnensand&#8220;) noch viel zu dunkel und einige der Bufftiere haben noch einen Rotstich im Fell. Aber daf\u00fcr ist ein Ziel eben da: Um gezielt darauf hinzuarbeiten. Im Laufe von Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Z\u00fcchter muss, um an seinem Zuchtziel erfolgreich zu arbeiten, mehr als zwei Tiere im Stall haben &#8211; schon allein aus Gr\u00fcnden der Vermeidung der Inzucht. Und &#8211; um nicht st\u00e4ndig neue Tiere von Au\u00dfen mit ungekl\u00e4rter genetischer Tr\u00e4gerlage (!) reinzuschleppen, kauft der nicht nach jedem Wurf ein neues Tier dazu, um Inzucht zu vermeiden. Sondern der hat da nach gewisser Zeit des Zuchtaufbaus einfach selbst 16-60 Tiere einer Rasse und einer Farbe sitzen, deren Verwandschaftsgrad es hergibt, sie ohne massiven Ahnenverlust oder Inzucht miteinander zu verpaaren und wirklich zielgerichtet an der Rasse, Farbe, Zeichnung und dem K\u00f6rperbau feilen zu k\u00f6nnen. Da Meerschweinchen-Zuchtdamen, um einer Inflexibilit\u00e4t des Beckens vorzubeugen, aber mindestens j\u00e4hrlich einen Wurf haben m\u00fcssen, hat ein solcher ernstzunehmender Z\u00fcchter mehr als sechs W\u00fcrfe pro Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle mir bekannten Z\u00fcchter sind Hobbyz\u00fcchter in Hinblick darauf, dass sich damit kein Geld verdienen l\u00e4sst, sofern man nicht seine Tiere frischfutterm\u00e4\u00dfig darben l\u00e4sst und ihnen den Tierarzt vorenth\u00e4lt. Manche haben allerdings mehr als 99 Jungtiere pro Jahr und werden deshalb vom Veterin\u00e4ramt gepr\u00fcft. Ich mache mir hier den Spa\u00df und erfasse meine Ausgaben. Bei im Schnitt 40 vorhandenen Tieren (inklusive Jungtieren) mache ich nach Abzug der &#8222;Verkaufseinnahmen&#8220; pro Monat immer noch ein Minus von im Schnitt -350\u20ac. Wenn es gut l\u00e4uft, weil z.B. kein Tier krank geworden ist und das Gem\u00fcse gerade g\u00fcnstig, sind es -250\u20ac.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Also<\/strong>: \u00dcberlegt es euch gut, ob ihr wirklich z\u00fcchten wollt. Die Unkosten sind erheblich h\u00f6her als die Einnahmen. Macht euch vorher schlau \u00fcber Schimmel Letal Whites, Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, Flaschenern\u00e4hrung, Geschlechtsbestimmung bei Jungtieren, sofortige erneute Fruchtbarkeit der M\u00fctter nach Entbindung, Trennungsalter, Mindestalter bei Erstverpaarung, Maximalalter und Maximalwurfpausen bei den Damen. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ihr nicht nur sinnlos vermehren m\u00f6chtet, sondern ernsthaft z\u00fcchten, sind zudem umfassende Kenntnisse \u00fcber Rasse- und Farbgenetik notwendig sowie die Erstellung und Pflege von Stammb\u00e4umen. <\/p>\n\n\n\n<p>Sprecht eure Pl\u00e4ne bitte VORHER mit eurem Ehepartner\/Lebensgef\u00e4hrten ab. Das ist nicht nur ein teures, sondern auch ein sehr zeit- und platzintensives Hobby mit dem Potential zu Auseinandersetzungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Menschen, die vorher schon wissen, dass sie knapp mit Geld, Zeit oder Platz f\u00fcr die Tiere sind oder &#8222;R\u00fccken&#8220; haben und niemanden an der Hand, der im Notfall (Erkrankung, Unfall, Urlaub), die Tiere l\u00e4nger versorgen kann, sollten gar nicht z\u00fcchten (und \u00fcberhaupt allenfalls zwei Tiere haben). Auch, wer kein Auto hat, um im Notfall schnell zur Tierklinik fahren zu k\u00f6nnen und nicht gen\u00fcgend Geld hat, um einen Notfallkaiserschnitt (inkl. vorheriger Untersuchungen au\u00dferhalb regul\u00e4rer Sprechzeiten kann das 900\u20ac kosten &#8211; kein Scherz!)  und Kastrationen (pro Kastration mindestens 80\u20ac, je nach Nachsorge auch \u00fcber 100\u20ac) oder aber auch sonstige langwierige Tierarztbehandlungen bezahlen zu k\u00f6nnen &#8211; sollten bestenfalls gar kein Tier haben, keineswegs Tiere auch noch vermehren. Macht euch klar, dass wenn das Muttertier stirbt (und das Risiko daf\u00fcr liegt bei 5-20%, bei Anf\u00e4ngern eher 20%!) und ihr KEINE Amme parat habt, die Babys selbst alle 2-3 Stunden f\u00fcttern m\u00fcsst. Auch nachts. Auch werktags, wenn ihr zur Arbeit m\u00fcsst. Auch, wenn ihr eigentlich verreisen wolltet. Ist diese M\u00f6glichkeit nicht gegeben, solltet ihr nicht z\u00fcchten.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann nahezu sicher sein, dass man nicht alle Jungtiere innerhalb von wenigen Wochen verkauft bekommt. Manche Tiere finden wom\u00f6glich gar keinen K\u00e4ufer. <strong>In Folge m\u00fcssen z.B. separate St\u00e4lle f\u00fcr eine Jungbockgruppe vorr\u00e4tig gehalten werden. <\/strong>Gerade letzteres machen sich \u201eOch, wir m\u00f6chten blo\u00df einmal einen Wurf haben\u201c-Kandidaten vorher zumeist nicht klar. Die sitzen dann \u201epl\u00f6tzlich\u201c auf einem Rudel Jungtiere, die sie, da keinerlei Stammb\u00e4ume existieren, allenfalls niederpreisig an \u201eNachbarn\u201c loswerden k\u00f6nnen und daf\u00fcr auch nur drei bis maximal Wochen Zeit haben, weil dann die Jungb\u00f6cke von ihren M\u00fcttern getrennt untergebracht werden m\u00fcssten, aber gar kein zweiter Stall vorhanden ist. Naiv und blau\u00e4ugig wussten sie auch nicht, dass Damen direkt nach ihrem Wurf nachgedeckt werden k\u00f6nnen und hatten den Bock aus Bequemlichkeit bei ihr gelassen, kurzum: Der zweite Wurf ist bereits im Anmarsch! F\u00fcr solche \u201eAktionen\u201c haben seri\u00f6se Z\u00fcchter keinerlei Verst\u00e4ndnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Komme ich zur\u00fcck auf jene, die das gar nicht so gro\u00df aufziehen wollen, sondern schlicht aus Spa\u00df an Babys Tiere vermehren m\u00f6chten. Und dies im \u00fcberschaubaren Rahmen. Auch f\u00fcr diese gilt das meiste der bereits genannten Dinge:  Macht euch vorher schlau \u00fcber Schimmel Letal Whites, Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen, Flaschenern\u00e4hrung, Geschlechtsbestimmung bei Jungtieren, sofortige erneute Fruchtbarkeit der M\u00fctter nach Entbindung, Trennungsalter, Mindestalter bei Erstverpaarung, Maximalalter und Maximalwurfpausen bei den Damen.  Habt Reservest\u00e4lle parat f\u00fcr unverkaufte Jungb\u00f6cke. Legt f\u00fcr jeden Wurf 1200\u20ac finanziellen Sicherheitspuffer an f\u00fcr die Kosten eines eventuellen Notfall-Kaiserschnitts und die Kastration von den B\u00f6cken. Wird dieser Puffer nicht verbraucht, kann er nat\u00fcrlich erneut f\u00fcr den n\u00e4chsten Wurf herhalten. Besorgt euch Anschrift, Telefonnummer und \u00d6ffnungszeiten der n\u00e4chstgelegen (Klein-)Tierklinik f\u00fcr eventuellen Notfall. Besorgt vorher schon geeignetes Milchpulver und Fl\u00e4schchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vielfach erhalte ich Anfragen von Menschen, die Cuy suchen, um selbst mit der Zucht zu starten. Da ich selbst erst im September 2019 mit dem Z\u00fcchten begonnen habe, habe ich grunds\u00e4tzliches Verst\u00e4ndnis zur einen solchen Wunsch. Und wer mit mir diesbez\u00fcglich korrespondiert, kennt meine Hilfsbereitschaft. 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