{"id":351,"date":"2020-10-22T08:35:15","date_gmt":"2020-10-22T08:35:15","guid":{"rendered":"http:\/\/pummels.de\/?p=351"},"modified":"2020-10-22T08:35:15","modified_gmt":"2020-10-22T08:35:15","slug":"aussagekraft-des-ggw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pummels.de\/?p=351","title":{"rendered":"Aussagekraft des GGW"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;GGW&#8220; hei\u00dft Geburtsgewicht. Bei Cuy liegt dieses gem\u00e4\u00df Literatur bei 80-250g und ist im wesentlichen abh\u00e4ngig von der Wurfgr\u00f6\u00dfe. (Sieht man einmal von dem seltenen Fall \u00fcberlebender Fr\u00fchgeburten ab). Zum Vergleich: &#8222;normale&#8220; Meerschweinchen wiegen bei der Geburt zwischen 60-120g.<br><br>Nun unterscheiden sich Cuy ja prim\u00e4r hinsichtlich ihrer Gr\u00f6\u00dfe von &#8222;normalen&#8220; Meerschweinchen. Es liegt also allen Cuy-Z\u00fcchtern mehr oder minder daran, dass die von ihnen gez\u00fcchteten Tiere dann auch tats\u00e4chlich gr\u00f6\u00dfer werden, als &#8222;normale&#8220; Meerschweinchen. Um fr\u00fchzeitig beurteilen zu k\u00f6nnen, ob dies dann auch tats\u00e4chlich der Fall sein wird, legen sie oft das Geburtsgewicht zu Grunde. Zwar hat sich in einer Studie gezeigt, dass es tats\u00e4chlich einen Zusammenhang zwischen Geburtsgewicht und Endgewicht gibt. Dennoch berichten Z\u00fcchter immer wieder davon, dass sie durchaus Tiere mit &#8222;nur&#8220; 100g Geburtsgewicht hatten, die dann dennoch 2,5kg oder mehr an Endgewicht erreichten (=eindeutig Cuy), wohingegen andere mit \u00fcber 200g geboren wurden, die dennoch bei 1,5 kg stehen blieben (=k\u00f6nnte auch ein sehr fettes normales Meerschweinchen sein).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidender als das Geburtsgewicht ist also m\u00f6glicherweise die Gewichtsentwicklung w\u00e4hrend der ersten Lebenswochen. Die Empfehlungen f\u00fcr s\u00fcdamerikanische Cuyz\u00fcchter besagen, dass zur Zucht nur solche Tiere ausgew\u00e4hlt werden sollten, die bei Geburt \u00fcber 150g wiegen, am 15. Tag mind. 300g, im Alter von 4 Wochen 500g, im Alter von 8. Wochen 900g &#8211; t\u00e4gliche Gewichtszunahme im Schnitt 15g. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei legen sie aber auch eine Wurfgr\u00f6\u00dfe von maximal drei Jungtieren zugrunde. Da das Geburtsgewicht der einzelnen Jungtiere aber eng mit der Wurfgr\u00f6\u00dfe zusammenh\u00e4ngt, verliert zumindest bei Wurfgr\u00f6\u00dfen >3 Jungtieren (Totgeburten werden mitgez\u00e4hlt) die Gewichtsgrenze von 150g Geburtsgewicht ihre Aussagekraft. (Ein Rechenexempel: Drei Cuy-Jungtiere von im Schnitt 165g Geburtsgewicht erg\u00e4ben eine &#8222;Zuladung&#8220; der Mutter am Ende der Schwangerschaft von knapp 500g. Teilt man nun die 500g aber durch vier Jungtiere, erg\u00e4ben sich etwas \u00fcber 120g pro Jungtier; bei 5 Jungtieren nur noch knapp 100g pro Jungtier usw. &#8211; allerdings habe ich auch schon Schwangerschaften von knapp 900g &#8222;Zuladung&#8220; erlebt, wo die sechs Jungtiere im Schnitt 140g Geburtsgewicht erreicht hatten &#8211; die Streuung lag bei 112-172g).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da sich zwar die Milchmenge, die eine Sau produziert, bei gr\u00f6\u00dferen W\u00fcrfen steigert, so l\u00e4sst sie sich doch nicht beliebig steigern. Bei W\u00fcrfen von f\u00fcnf oder mehr Jungtieren d\u00fcrfte es die Regel sein, dass die kleinsten Jungtiere Schwierigkeiten haben, sich gegen ihre kr\u00e4ftigeren Geschwister beim Buhlen um insgesamt nur zwei Zitzen erfolgreich durchzusetzen. Dies bedeutet, dass auch die Gewichtsgrenze von 300g nach 15 Tagen bei W\u00fcrfen von f\u00fcnf oder mehr Jungtieren kaum von allen Jungtieren erreicht werden kann. Auch das hat dann immer noch keine Aussagekraft dazu, welches Endgewicht diese Jungtiere dann erreichen werden. Stehen sie von ihrer Nahrungsaufnahme schlie\u00dflich &#8222;auf eigenen Beinen&#8220;, kann es gut sein, dass ihre weitere Entwicklung deutlich besser verl\u00e4uft und sie den R\u00fcckstand aufholen. Viele Z\u00fcchter &#8222;schieben&#8220; bei solch gro\u00dfen W\u00fcrfen die sozusagen &#8222;\u00fcberz\u00e4hligen&#8220; Jungtiere auch einer mit eigenen Jungtieren &#8222;unausgelasteten&#8220; Amme unter, um die Milchversorgung dieser Jungtiere zu verbessern und die leibliche Mutter der Jungtiere zu entlasten. In einem solchen Fall w\u00e4re zu erwarten, dass sich die Milchversorgung der untergeschobenen Jungtiere verbessert und auch ihre Gewichtsentwicklung besser verl\u00e4uft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um beurteilen zu k\u00f6nnen, wie die Gewichtsentwicklung verl\u00e4uft, scheint (besonders bei gr\u00f6\u00dferen W\u00fcrfen mit >3 Jungtieren, bei Fr\u00fchgeburten, bei Jungtieren von M\u00fcttern, die vielleicht eine schlechte Milchproduktion hatten) am aussagekr\u00e4ftigsten der Schnitt der t\u00e4glichen Gewichtszunahme zwischen dem Absetzalter und der achten Lebenswoche zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun &#8222;schielen&#8220; ja viele Cuy-Neulinge hinsichtlich des Endgewichtes, welches sie von ihren Tieren erwarten, gleichfalls nach S\u00fcdmarika. Auch wenn sie wissen, dass die Zucht der besonders gro\u00dfen s\u00fcdamerikanischen Rasse &#8222;Cobayos&#8220;, die angeblich bis zu 4 kg erreichen, in Deutschland fehlgeschlagen ist (d.h. die wenigen importierten Tiere brachten keinen Nachwuchs), erhoffen sie sich dennoch ein Endgewicht von um die 3 kg von ihren Tieren. Oft sind sie dann entt\u00e4uscht, wenn nur 1,6-2,6 kg erreicht werden. Die &#8222;hohen Gewichtsklassen&#8220; in S\u00fcdamerika werden aber auch dadurch erzielt, dass die Masttiere in Buchten von 30x45cm oder kleiner eingesperrt werden, vorne fressen, hinten kacken und keinerlei Bewegung erhalten, also wirklich zielgerichtet gem\u00e4stet werden. D.h. ihr &#8222;hohes&#8220; Gewicht h\u00e4ngt nicht nur mit ihrer genetisch verankerten Gr\u00f6\u00dfe zusammen (auch wenn sie nat\u00fcrlich schon gr\u00f6\u00dfer sind, als normale Meerschweinchen), sondern prim\u00e4r mit der Form ihrer Haltung!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Welche Tiere wurden denn nun nach Deutschland importiert? Erinnern wir uns: Die besonders gro\u00dfen &#8222;Cobayos&#8220; wurden zwar importiert, verstarben aber ohne Nachwuchs, d.h. es gibt keine solchen Tiere in Deutschland. Was hingegen erfolgreich importiert und hierzulande gez\u00fcchtet wurde, waren (im Vergleich zu den Cobayos) kleinere Tiere, zudem zumeist solche, die eine besondere Fellstruktur oder Fellzeichnung aufwiesen, die es hierzulande zuvor nicht gegeben hatte (Beispiel: Californias, Felpas\/Wollys). Es ist sehr gut m\u00f6glich, dass bei der Auswahl der importierten Tiere dann sogar die Wahl gezielt auf nicht zu gro\u00dfe, in jedem Fall aber nicht zu fette Tiere fiel. Denn es ist bekannt, dass genau jene Cuy, die ganz besonders schnelle Gewichtszunahme im Jugendalter zeigen, eine reduzierte Lebenserwartung im Vergleich zu langsamer wachsenden Cuy haben und oft nur 2 Jahre alt werden. Da das Zuchtziel in Deutschland aber nicht die Produktion von m\u00f6glichst schnell wachsenden Masttieren zum Verzehr ist, sondern die gew\u00fcnschte Lebenserwartung bei deutlich >3 Jahre liegt, liegt die Vermutung nahe, dass keine &#8222;3kg Tiere&#8220; importiert wurden, sondern eher &#8222;2,5 kg Tiere&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Tieren, die aber genetisch sozusagen &#8222;nur&#8220; die 2,5 kg tragen, kann man nur schwerlich 3 kg Tiere &#8222;zaubern&#8220; (sofern man sie nicht m\u00e4stet, was aber auch nichts an der genetischen Disposition \u00e4ndert!).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt, dass nach dem Import aus S\u00fcdamerika sowohl Cuys in normale Meerschweinchenzuchten hineingekreuzt wurden (so stammen alle Meerschweinchen der Fellzeichnung California von Cuy ab) als auch Meerschweinchen in Cuyzuchten (um vorhandene Farb-\/ und Rassevielfalt der Meerschweinchen auch auf Cuy zu &#8222;transferieren&#8220;). Ich halte es vor diesem Hintergrund f\u00fcr m\u00f6glich, dass es kaum &#8222;reine&#8220; Cuytiere in Deutschland gibt. Ich wei\u00df aber auch von Z\u00fcchtern, dass sie ihr Hauptaugenmerk darauf richten, keine normalen Meerschweinchen und keine Hybriden (Kreuzung Cuy-Meerschweinchen) in ihre Zucht zu holen und dass deren Tiere tats\u00e4chlich im Schnitt gr\u00f6\u00dfer ausfallen als bei jenen Zuchten, wo es zur Vermischung mit normalen Meerschweinchen gekommen ist. Kreuzt man Cuy mit normalen Meerschweinchen (die Dame muss zwinglich das gr\u00f6\u00dfere Tier sein, da es sonst zu erheblichen Geburtskomplikationen kommen kann), bezeichnet man das Ergebnis als F1 &#8222;Hybrid&#8220;. Kreuzt man dieses Tier erneut mit einer Cuydame, entsteht F2 usw., wobei man bei ab F4 wieder davon ausgeht, es handle sich wieder um ein &#8222;echtes&#8220; Cuy. Das ist vererbungstechnisch aber Unfug. Da stecken dann genetisch immer noch statistisch 6,25% Anteile eines normalen Meerschweinchens drinnen. Auch daher erkl\u00e4rt es sich, dass in Cuyzuchten in Deutschland immer mal wieder genetisch die geringeren Gr\u00f6\u00dfen von potentiell vorhandenen Meerschweinchenvorfahren durchschlagen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Cuys nur als Einzeltiere importiert wurden und nie in gr\u00f6\u00dferer St\u00fcckzahl, wohingegen an normalen Meerschweinchen kein Mangel herrscht, wird hinsichtlich der Gr\u00f6\u00dfenentwicklung der &#8222;Meerschweinchenanteil&#8220;  in den Cuyzuchten tendenziell leider immer gr\u00f6\u00dfer werden &#8211; und die Tiere tendenziell immer kleiner. Hier arbeiten die Cuy-Z\u00fcchter allerdings gezielt gegen an, wenn sie zur Zucht nur m\u00f6glichst gro\u00dfe Tiere einsetzen &#8211; beziehungsweise Tiere, die definitiv nicht die (pers\u00f6nlich definierte) &#8222;Mindestgr\u00f6\u00dfe&#8220; erreicht haben, von der Zucht zumeist ausschlie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da es die Gr\u00f6\u00dfe ist, die Cuy \u00fcberhaupt erst zu Cuys macht (es k\u00e4me wohl kaum jemand auf die Idee, dass das, was ein Cuy zu einem echten Cuy macht, v\u00f6llig \u00fcberdrehte Nerven sind) w\u00e4re es wohl sinnvoll, im Standard (den es noch nicht gibt) eine Mindest-Gewichtsgrenze einzuf\u00fchren, ab der Cuy als Cuys gelten. Martha (welche eine ausgezeichnete Expertise auf dem Gebiet der Cuyzucht hat) schlug in einem Forum als Grenzwert 1,8 kg als Mindestgewicht eines ausgewachsenen Tieres vor. Dabei bezog sie sich sicherlich auf ein ungem\u00e4stetes Tier. (Sinnvoller als eine Gewichtsangabe scheint eine Gr\u00f6\u00dfenangabe). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht alle Tiere, die derzeit in Cuy-Zuchten eingesetzt werden, haben dieses Mindestgewicht. Zudem ist bei Cuy-Damen, die erstmalig zur Zucht eingesetzt werden, wenn sie mindestens 1 kg erreicht haben, die weitere Gewichtsentwicklung ja auch nicht hundertprozentig sicher. M\u00f6chte man also das Augenmerk seiner Zucht darauf richten, Cuys zu z\u00fcchten, die sich von ihrer Gr\u00f6\u00dfe her deutlich von normalen Meerschweinchen unterscheiden, d\u00fcrften die Endgewichte, welche die Eltern der Zuchttiere erreichten, im Fokus stehen. Auch w\u00fcrde man Zuchtb\u00f6cke sinnvollerweise wohl erst dann einsetzen, wenn sie die 1,8kg Marke &#8222;geknackt&#8220; haben, was seltenst im Alter von 4 Monaten, in der Regel eher erst mit 8 Monaten der Fall sein d\u00fcrfte beziehungsweise der Fall sein sollte, denn Tiere, die zu schnell zulegen, haben ja wiederum eine deutlich verk\u00fcrzte Lebenserwartung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies h\u00e4tte nat\u00fcrlich Auswirkungen auf die &#8222;Stalllogistik&#8220;, denn wenn sich erst im Altern von 8 Monaten entscheidet, welcher der B\u00f6cke zur Zucht eingesetzt werden kann, erh\u00f6ht sich naturgem\u00e4\u00df die Anzahl der zun\u00e4chst vom Z\u00fcchter behaltenen und nicht zur sofortigen Abgabe vorgesehenen B\u00f6cke. An der Stelle wird es nun knifflig, denn B\u00f6cke lassen sich gemeinhin nur verkaufen, wenn sie entweder noch jung genug sind, um sich zun\u00e4chst problemlos in eine vorhandene Bockgruppe zu integrieren (was dann drei Monate sp\u00e4ter passiert, wenn der Jungbock ins R\u00fcpelalter kommt, l\u00e4sst sich nicht voraussehen) oder eben kastrierte \u00e4ltere Tiere. Die Erl\u00f6sspanne bei kastrierten B\u00f6cken liegt aber im negativen Bereich, denn die Geb\u00fchren f\u00fcr Kastrationen liegen bei inzwischen 60-120 Euro, wohingegen f\u00fcr Kastraten niemand mehr zahlen m\u00f6chte, als maximal 60 Euro. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wartet man also als Z\u00fcchter die Gewichtsentwicklung der B\u00f6cke ab, geht das ins Geld und man braucht auch &#8222;mehr&#8220; Platz f\u00fcr Bockgruppen. Unproblematischer scheint es, erst im Nachhinein sicher zu wissen, welches Endgewicht die Elterntiere erreichten und die Erstverpaarung auf Verdacht hin vorzunehmen beziehungsweise in Hinblick auf das erreichte Endgewicht der Gro\u00dfelterntiere. F\u00fcr Cuy k\u00f6nnte es, wenn es nicht das Problem der &#8222;zu fetten&#8220; Tiere g\u00e4be, also sinnvoll sein, Gewichtsangaben in Stammb\u00e4ume aufzunehmen. (Gr\u00f6\u00dfenangaben scheinen sinnvoller, aber da m\u00fcsste man sich zun\u00e4chst auf eine Norm zur Vermessung einigen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist also aufgrund der Ausgangslage (genetisch h\u00e4ngen in der Gr\u00f6\u00dfe fast \u00fcberall bereits Meerschweinchen mit drin) und der Rahmenbedingungen (niemand hat unbegrenzt Platz und Geld) ein m\u00fchsames Unterfangen. Dennoch sollten die dargelegten Fixpunkte ber\u00fccksichtigt werden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;GGW&#8220; hei\u00dft Geburtsgewicht. 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