{"id":169,"date":"2020-05-17T09:08:32","date_gmt":"2020-05-17T09:08:32","guid":{"rendered":"http:\/\/pummels.de\/?p=169"},"modified":"2020-05-17T09:09:06","modified_gmt":"2020-05-17T09:09:06","slug":"was-zeichnet-einen-zuechter-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/pummels.de\/?p=169","title":{"rendered":"Was zeichnet einen Z\u00fcchter aus?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In <a href=\"https:\/\/pummels.de\/?p=165\">diesem Beitrag<\/a> hatte ich zusammengetragen, welche qualitativen Unterscheidungen zwischen &#8222;Z\u00fcchtern&#8220;, &#8222;Laien&#8220; und &#8222;Vermehrern&#8220; von anderen Z\u00fcchtern getroffen werden, wobei die individuelle Zusammenstellung der &#8222;Messpunkte&#8220; aber zum Teil erheblich differiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bin zugegeben erst seit September 2019 als Z\u00fcchterin aktiv, habe aber bereits festgestellt, dass der \u00fcberwiegende Teil der Z\u00fcchter nicht allen &#8222;Messpunkten&#8220; entsprechen, was die jeweils anderen Z\u00fcchter, sofern sie denn selbst diese Punkte erf\u00fcllten, zumeist damit begr\u00fcndeten, dass dieser eben ein &#8222;Vermehrer&#8220; sei (ihrerseits aber bei anderen Messpunkten abwichen).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fragte ich hinsichtlich der &#8222;Abweichungen&#8220; nach, ergab sich erstaunlicherweise, dass die Z\u00fcchter immer sehr gute und in meinen Augen auch fundierte Gr\u00fcnde f\u00fcr ihre abweichende Handhabung hatten. (Was nicht automatisch bedeutet, dass ich mich ihrer Einsch\u00e4tzung anschlie\u00dfen w\u00fcrde).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Lieblingsbeispiel d\u00fcrften die Messpunkte &#8222;Klar definiertes Zuchtziel hinsichtlich Rasse und Farbe \/ Beschr\u00e4nkung auf wenige Farben und Rassen&#8220; sein. Wobei nach meiner \u00dcberzeugung zweiteres (Beschr\u00e4nkung auf wenige Farben und Rassen) aus ersterem folgt. Denn um das Erscheinungsbild seiner Tiere dem Ideal hinsichtlich Rassemerkmalen und Farbdetails erfolgreich ann\u00e4hern zu k\u00f6nnen, braucht man zwingend eine gewisse Mindestgr\u00f6\u00dfe der Zuchtgruppe. Andreas Reinert (&#8222;Meerschweinchen &#8211; Hatung, Zucht, Ausstellung&#8220;) empfiehlt als Mindestgr\u00f6\u00dfe 4-5 Zuchtb\u00f6cke, 10-15 Zuchtweibchen, 4-6 Jungtiere (die daf\u00fcr vorgesehen sind, in die Zucht nachzur\u00fccken, sofern ihre Entwicklung den Erwartungen entspricht). Hinzu kommen dann aber zwangsl\u00e4ufig auch in steigender Anzahl: Alttiere, die nicht mehr zur Zucht eingesetzt werden k\u00f6nnen, Jungtiere und erwachsene Tiere, die nicht zur Weiterzucht ausgew\u00e4hlt wurden aber (noch) keine K\u00e4ufer fanden sowie Kastraten, welche die Zuchtb\u00f6cke w\u00e4hrend derer Zuchtpausen begleiten oder auch die M\u00e4delsgruppen. Macht zusammen mittelfristig mindestens 30-40 Tiere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun sind in Deutschland alle Z\u00fcchter &#8222;Hobbyz\u00fcchter&#8220;, weil keiner von ihnen wirtschaftlichen Gewinn erzielt. Das liegt daran, dass der Preis, den potentielle K\u00e4ufer zu zahlen bereit sind, sich irgendwo zwischen dem, was Z\u00fcchter eigentlich nehmen m\u00fcssten um ihre Kosten zu decken und dem, was die Laien, die Zufallsverpaarungen in hoher Anzahl auf den Markt werfen, verlangen, eingependelt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus widerum folgt, dass die quantitativen Gegebenheiten aller Z\u00fcchter in Deutschland durch drei Punkte, die teilweise miteinander in Bezug stehen, bestimmt sind: 1) Wieviel <strong>Geld<\/strong> steht dem Z\u00fcchter f\u00fcr die Versorgung und Pflege seiner Tiere zur Verf\u00fcgung? 2) Wie viel <strong>Zeit<\/strong> steht dem Z\u00fcchter f\u00fcr sein Hobby zur Verf\u00fcgung? 3) Wie viel <strong>Platz<\/strong> steht dem Z\u00fcchter f\u00fcr die Unterbringung seiner Tiere zur Verf\u00fcgung? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach meiner Beobachtung bewegen sich aufgrund dieser drei Punkte die Tieranzahl in den Zuchten, die ich kenne, zumeist irgendwo zwischen 30 und 60 Tieren. Wenn nun aber pro Rassezuchtziel (in einer konkreten Farbe) gem\u00e4\u00df obiger Ausf\u00fchrung mindestens 30-40 Tiere vonn\u00f6ten sind, kann kaum ein Z\u00fcchtern ernsthaft mehr als zwei diverse Rassen in jeweils einer Farbe erfolgreich dem Idealtypus ann\u00e4hern. Ausnahme: Manche Farben stehen in Bezug zueinander. Wer cremefarbene Tiere z\u00fcchten m\u00f6chte, wird immer auch buffarbene und wei\u00dfe im Bestand haben und wer Ridgeback z\u00fcchtet, hat sich ein komplexes Arbeitsgebiet gew\u00e4hlt. Das \u00e4ndert aber nichts daran, dass es trotzdem nur ein Zuchtziel gibt, auch wenn sich daraus diverse Tiere ergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaut man nun aber auf die Z\u00fcchterseiten, finden sich solche, die angeben, beispielsweise vier verschiedene Rassen in ihren drei Lieblingsfarben z\u00fcchten oder offenbar drei Rassen in Farbkombinationen, wo immer irgendwo auch die favorisierte Farbe mit dabei ist oder &#8211; schaut man in die Stammb\u00e4ume &#8211; an irgendeinem Punkt Tiere miteinander verpaart wurden, die Tr\u00e4ger unterschiedlicher Rasse waren, z.B. US-Teddy mit Rex oder CH-Teddy. Dabei entsteht dann allerdings keine &#8222;neue Rasse&#8220;, sondern nur erhebliches genetisches Durcheinander, das man nie wieder aus seiner Zucht herausbekommt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folge: Es wird immer wieder in solchen Zuchten vorkommen, dass &#8222;\u00fcberraschend&#8220; dann Tiere fallen, die der einen oder anderen Rasse zugeh\u00f6rig sind &#8211; ohne allerdings, dass deren Rassemerkmale in irgendeiner Weise dem Idealtypus entsprechen. Au\u00dferdem gibts auch immer wieder Glatthaar-Tiere, die aber genetisch gar keine Glatthaartiere sind, sondern in ihrem genetischen Erbrucksack irgendwelche Tr\u00e4gereigenschaften anderer Rassen mit sich herumtragen. Das \u00e4u\u00dfert sich dann meistens dadurch, dass pl\u00f6tzlich Tiere mit semi-langem Fell fallen, wenn eine Langhaarrasse durchschl\u00e4gt. Das, was ich hier beschreibe, w\u00fcrde jeden deutschen Kaninchenz\u00fcchter in den Wahnsinn treiben und w\u00e4re unvorstellbar. Nicht so in der Cuyzucht, da ist das normal. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den Liebhaberk\u00e4ufern ist das egal. Die \u00fcbrigen Cuyz\u00fcchter kennen das Problem und haben offenbar resigniert. Denn: Als sie mit ihrer Zucht starteten, gab es das Problem ebenfalls schon und weil sie Hobbyz\u00fcchter sind, haben sie auch gar keine M\u00f6glichkeit, die genetische Reinerbigkeit wieder herzustellen: Dazu w\u00e4ren, wenn man die daf\u00fcr notwendige massive Inzucht (!) \u00fcber viele Generationen betreiben w\u00fcrde, um Tr\u00e4ger rezessiver Rasse- und Farbeigenschaften zu identifizieren und mitsamt ihrer Vorfahren von der Zucht auszuschlie\u00dfen, insgesamt mindestens 15 Jahre notwendig (Quelle: &#8222;<a href=\"http:\/\/www.annas-viecher.de\/pics\/stuff\/Inzucht%282%29.pdf\">Inzucht &#8211; Linienzucht &#8211; Rassezucht<\/a>&#8222;). Um genetisches Chaos auszul\u00f6sen, reicht hingegen eine einzige Verpaarung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich traf auch auf Z\u00fcchter, die ganz offensiv damit umgingen, dass sie gar kein Zuchtziel hinsichtlich Rasse und Farbe h\u00e4tten, sondern schlicht, in ihrer Zucht nur <em>echte<\/em> Cuys zu verpaaren und keine, die irgendwann unter ihren Vorfahren &#8222;normale&#8220; Meerschweinchen hatten (sogenannte Hybridtiere). Selbst deren Argumentation leuchtete mir in Hinblick darauf, dass fast nur Cuys zu finden sind, die irgendwo Hybridanteile aufweisen, ein. Allerdings ist in meinen Augen ein Ziel etwas, auf das man immer weiter hinarbeitet. Ist das Ziel &#8222;ausschlie\u00dfliche Verwendung reiner Cuys&#8220;, dann ist dieses &#8222;Ziel&#8220; bereits mit dem Kauf entsprechender Tiere abgeschlossen (egal wie aufw\u00e4ndig die Suche nach solchen Tieren war).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sind diese rasse- und farbgenetischen Dinge etwas, was den &#8222;normalen&#8220; anspruchsvollen K\u00e4ufer da drau\u00dfen tats\u00e4chlich interessiert? Mitnichten. Dem kann es doch v\u00f6llig egal sein, wie sein Meerschweinchen bzw. Cuy genetisch gestrickt ist, solange es daraus keine gesundheitlichen Einschr\u00e4nkungen erf\u00e4hrt und das Tier ihm optisch Freude bereitet. Ihm ist wichtig, dass der Z\u00fcchter seine Tiere anst\u00e4ndig versorgt und unterbringt, Ahnung von der Zucht hat hinsichtlich den besonderen Bed\u00fcrfnissen schwangerer Tiere, dass kein Tier unter den Zuchtgegebenheiten leiden muss und er gut und kompetent beraten wird. Was diese Punkte anbelangt, erf\u00fcllten mit einer Ausnahme alle Zuchten, mit denen ich bislang pers\u00f6nlich in Kontakt kam, selbst gehobenen Anspr\u00fcchen. Die Tiere wachsen dort in gro\u00dfz\u00fcgigen Gehegen auf mit einer Ausstattung, die jeden Meerschweinchentraum erf\u00fcllt und werden durch ihre Z\u00fcchter kompetent und liebevoll umhegt und gepflegt, dass es den Tieren eine Freude ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber: Einen relevanten Beitrag zur Perfektion und der Pflege bestimmter rassetypischer Qualit\u00e4tsma\u00dfst\u00e4be oder Farbauspr\u00e4gung k\u00f6nnen m. E. diese ansonsten vorbildlichen Zuchten nicht leisten, wenn sie fortgesetzt mit genetischen \u00dcberraschungseiern ihre Zucht betreiben. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist der Begriff des Z\u00fcchters untrennbar verbunden mit dem Ziel, seine Zuchttiere hinsichtlich der von ihm pr\u00e4ferierten Rasse und Farbe zu perfektionieren. Das macht die davon abweichenden Z\u00fcchter aber weder zu Vermehrern, noch zu Laien. Am ehesten w\u00fcrde aus meiner Sicht wohl der Begriff &#8222;Liebhaberz\u00fcchter&#8220; passen, der vom Begriff &#8222;Rassez\u00fcchter&#8220; abzugrenzen w\u00e4re. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nochmals &#8222;aber&#8220;: Es sind auf dem deutschen Cuymarkt (nahezu) keine Tiere erh\u00e4ltlich, die keine genetischen \u00dcberraschungseier sind. Sei es, dass sie Hybridvorfahren aufweisen, sei es, dass sie Vorfahren haben, die unterschiedlichen Rassen zugeh\u00f6rig waren, sei es, dass sie hinsichtlich Farbgenetik potentielle Tr\u00e4ger farbver\u00e4nderter Gene sind (angefangen von Schwarz\/-Braungenen, Wei\u00dfscheckung, \u00fcber Chinchillagenen, Aufhellungen, Blauf\u00e4rbung bis hinzu diversen Kombinationen). Die Gretchenfrage von Rassez\u00fcchtern (nach obiger Definition) f\u00fcr deutsche Cuyz\u00fcchter d\u00fcrfte also sein: Strebst du Reinerbigkeit an? Mit welchen Ma\u00dfnahmen? Wie stellst du sicher, dass die von anderen Z\u00fcchtern hinzugekauften Tiere (&#8222;Fremdzucht&#8220;) keine genetische \u00dcberraschungs-Beimischung tragen? Wie oft kommt es in deiner Zucht vor, dass sich &#8222;\u00fcberraschend&#8220; nicht-angestrebte Genfaktoren bei W\u00fcrfen manifestieren? Wie verf\u00e4hrst du dann mit diesem Wurf und den Elterntieren? Welche konkreten Ziele hast du hinsichtlich der von dir gez\u00fcchteten Rasse\/n und Farbe\/n? Das sind allerdings Fragen, die Z\u00fcchter einander stellen und d\u00fcrften kaum f\u00fcr normale K\u00e4ufer von Belang sein. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die auf nahezu allen Z\u00fcchterseiten vorgenommenen Abgrenzungen der eigenen Zucht von &#8222;Vermehrern&#8220; oder &#8222;Laien&#8220; richtet sich aber immer an K\u00e4ufer von Liebhabertieren und dient dem Zweck, diesen dar\u00fcber zu informieren, dass diese Zucht bestimmten Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen gen\u00fcgt (und deshalb die Tiere auch nicht zu Ramschpreisen zu haben sind).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mich und meine Zucht anbelangt, so strebe ich die Rassezucht von buff- und cremefarbenen &#8222;California schwarz&#8220; in Glatthaar mit sch\u00f6nem K\u00f6rperbau an. Das ist aufgrund der genetischen \u00dcberraschungs-Aufgangstiere nicht ganz einfach. Und vielleicht werde ich irgendwann vor diesem hochgesteckten Ziel kapitulieren, es runterkochen oder mich mit der genetischen Vielfalt arrangieren. Vielleicht aber auch nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag hatte ich zusammengetragen, welche qualitativen Unterscheidungen zwischen &#8222;Z\u00fcchtern&#8220;, &#8222;Laien&#8220; und &#8222;Vermehrern&#8220; von anderen Z\u00fcchtern getroffen werden, wobei die individuelle Zusammenstellung der &#8222;Messpunkte&#8220; aber zum Teil erheblich differiert. 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