{"id":1576,"date":"2026-01-08T17:16:53","date_gmt":"2026-01-08T17:16:53","guid":{"rendered":"https:\/\/pummels.de\/?page_id=1576"},"modified":"2026-01-08T18:37:03","modified_gmt":"2026-01-08T18:37:03","slug":"meine-zucht-und-ich","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/pummels.de\/?page_id=1576","title":{"rendered":"Meine Zucht und ich"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich bin Jahrgang 1975, lebe auf der Stadtgrenze zwischen K\u00f6nigswinter und Bad Honnef und halte seit meinem dreizehnten Lebensjahr nahezu durchg\u00e4ngig Kaninchen und Meerschweinchen. Auf die Cuys bin ich allerdings erst im Laufe des Jahres 2019 gesto\u00dfen. Ich wurde eher zuf\u00e4llig auf ihre Existenz aufmerksam, war aber von ihrem imposanten Erscheinungsbild direkt fasziniert. Sie sind zweifelsohne etwas Besonderes. Die Cuyzucht ist in Deutschland noch nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig weit verbreitet und es reizte mich, hier Neuland nicht nur f\u00fcr mich pers\u00f6nlich zu betreten. Soweit mir bekannt ist, gibt es in 50 Kilometer Umkreis keine weiteren Z\u00fcchter dieser besonderen Tiere. [Update 2025: Nachdem die Zuchten bei Frankfurt und im Ennepetal dicht gemacht haben, w\u00fcrde ich fast sagen: In 150 Km Umkreis. Es ist ja nicht alles ein ernstzunehmender \u201eZ\u00fcchter\u201c, der Cuys miteinander verpaart].<\/p>\n\n\n\n<p>Meerschweinchenzucht ist ein sehr teures Hobby, mit dem sich kein finanzieller Gewinn erwirtschaften l\u00e4sst. Deshalb besteht kein Gewerbe und steuertechnisch liegt Liebhaberei vor. Da bei mir zudem weit unter 99 Jungtieren pro Jahr purzeln, was bei Meerschweinchen als Grenze gesetzt wurde, bin ich auch nicht beim Veterin\u00e4ramt als Zucht gemeldet und keinen regelm\u00e4\u00dfigen Kontrollen unterworfen. (Hei\u00dft nicht, dass die nicht schonmal vorbeigeschaut h\u00e4tten &#8211; eine Visite voller Wertsch\u00e4tzung beiderseits &#8211; nicht ironisch gemeint. Sie machen einen wichtigen Job und ich fachsimpel unheimlich gern.)<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu Kaninchenz\u00fcchtern, die zumeist nur ein oder zwei Rassen mit zudem einer Fellfarbe z\u00fcchten, schienen (und scheinen!) mir die allermeisten Cuyz\u00fcchter \u00fcberwiegend wenig spezialisiert. Die Ursache daf\u00fcr scheint mir darin zu liegen, dass es nur wenige \u201ereinerbige\u201c Zuchten und auch entsprechend wenige \u201ereinerbige\u201c Cuys gibt (beziehungsweise umgekehrt) und die generelle Freude an der Vielf\u00e4ltigkeit der Fellzeichnungen und -Formen \u00fcberwiegt, wohingegen die gezielte Z\u00fcchtung nach Rassestandards nicht im Fokus steht. So wie auch Cuys generell bei Meerschweinchenschauen noch eher ein Randph\u00e4nomen sind. Mit letzterem habe ich kein Problem, aber mit ersterem.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist mir unverst\u00e4ndlich, wie sich jemand Z\u00fcchter nennt, der einfach mehr oder minder wahllos Tiere miteinander verpaart, bei denen Farben und Rassen im Blindflug kreuz- und quergehen. Bittesehr, macht doch, was ihr wollt, solange die Tiere nicht drunter leiden, aber nennt das doch bitte nicht &#8222;z\u00fcchten&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich bei diesem Gen-Gematsche nicht mitmachen wollte, da es meinen Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen an zielgerichtetes Z\u00fcchten nicht entspricht, bin ich den Knochenweg gegangen und habe (da es keine entsprechenden Genuntersuchungen gab) auf klassischem Wege \u00fcber mehrere Jahre hinweg durch Testungsverpaarungen die Genetik meiner Zuchttiere &#8222;ausgemendelt&#8220; und unerw\u00fcnschte rezessive Gene durch Verdr\u00e4ngungszucht aussortieren k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon vor Zuchtbeginn fand ich mich mitten im Biologieunterricht wieder, setzte mich intensiv mit der Farb- und Rassegenetik von Meerschweinchen auseinander, besuchte entsprechende Fortbildungen, analysierte das Erscheinungsbild und die Stammb\u00e4ume verf\u00fcgbarer Ausgangstiere und ihrer Eltern und schlussfolgerte daraus, welche Tiere in welcher Kombination am ehesten meinem Zuchtziel dienlich sein k\u00f6nnten. Aus diesem &#8222;Drama&#8220; entstand dann schlie\u00dflich mein sch\u00f6ner Ratgeber zu &#8222;Stochastik in der Meerschweinchenzucht&#8220;. In allen Ausgangstieren (au\u00dfer bei den dreien von Saskia K\u00f6hler) hingen rezessive Lockengene in irgendeiner Form drin, teilweise waren sogar CH-Teddys mit Rexen vermixt worden. (Das ist ein z\u00fcchterisches No-Go). Und Pink Eyes allerorten. <\/p>\n\n\n\n<p>Warum ich reinerbig Glatthaar dunkle Augen z\u00fcchten m\u00f6chte und keine Lockentiere oder Pink Eyes erfahrt ihr unter <a href=\"https:\/\/pummels.de\/?page_id=26\" data-type=\"page\" data-id=\"26\">&#8222;Tierwohl in der Zucht&#8220;<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>2023 war ich als erstes die Rextr\u00e4ger los, zudem waren wundersch\u00f6ne Schwarz-Wei\u00df-Agouti gepurzelt. Diese wurden dann 2024-2025 durchgetestet und in Verdr\u00e4ngungsverpaarungen gezogen, bis sie ihre CH-Teddy und Pink-Eyes-Tr\u00e4gereigenschaften los waren. Doch irgendetwas rubinaugenerzeugendes flitzte noch durch die Gene, was schlie\u00dflich als Himalayatr\u00e4gerschaft (Sable) identifiziert und _optisch_ ausgesondert werden konnte (Tiere mit ca.cr. zeigen n\u00e4mlich deutlich r\u00f6tliche Augen! Wohingegen cd.ca. dies nicht zeigen. Man nehme also cr.cr. Nachkommen der Sables, die keine r\u00f6tlichen Augen haben und schon ist das Thema gegessen!) Da aber Sable-Jungtiere bisweilen wie Schokolade bei der Geburt aussehen (was ja auch Rubinaugen erzeugt, allerdings auch auf cd.cr.) und erst nach einigen Wochen bis Monaten zu Schwarz nachdunkeln, war ich argw\u00f6hnisch und teste aktuell noch ab, ob nicht zus\u00e4tzlich doch auch Schokolade, also .b drinsteckt. Die bislang erfolgten Testungen ergaben kein Schokolade, ein (hoffentlich) letzter Test l\u00e4uft noch bis Fr\u00fchjahr 2026. <\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem die KI mir erkl\u00e4rt hatte, es g\u00e4be doch inzwischen auch hinsichtlich mancher rezessiver Gene die Option zu Gentestes, habe ich sofort Kontakt zu einem entsprechenden Labor aufgenommen und wir sind nun miteinander in Verhandlung gegangen. Wenn alles wie geplant l\u00e4uft, werden im Fr\u00fchjahr 2026 die ersten Gentest f\u00fcr das Agouti-Allel zur Verf\u00fcgung stehen, wenig sp\u00e4ter auch solche auf die Schwarz-\/Rotreihe. Was Gentests angeht, w\u00fcrde ich gern mittelfristig die sogenannte Satinkrankheit ausrotten, auch wenn ich kein Satin z\u00fcchte und noch keins meiner Tiere diese Erkrankung hatte. Ihr merkt: Ich begeistere mich auf hohem Niveau f\u00fcr medizinische und biologische Themen. Und ich stelle gern aus fachlicher Sicht bisherige Annahmen auf den Kopf. Aus meiner Korrespondenz ergab sich, dass das bisher vermutete Allel bb gar kein eigenst\u00e4ndiges ist, sondern auf dem Schwarz-Rot-Allel liegt. Dominanzreihe mutma\u00dflich E=B-b-e (ich vermute, dass die Zweifarbigkeit ep im Gegenzug was eigenes ist, den Zweifarbige gibt es ja in Schwarz-Rot ebenso wie in Schokolade-Rot).<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich die Z\u00fcchterpr\u00fcfung beim MFD abgelegt, s\u00e4mtliche Farb- und Rassegenetikkurse besucht, die angeboten wurden und auch einen solchen zu Erkrankungen von Meerschweinchen. Ich habe zahlreiche Videos vom INIA gesehen und die Transkriptionen ins Deutsche \u00fcbersetzt. Ich habe das &#8222;genetische R\u00e4tsel&#8220; um die hierzulande Pink Devil genannten Tiere gel\u00f6st, das oben bereits erw\u00e4hnte Fachbuch zur Stochastik in der Meerschweinchenzucht verfasst und daf\u00fcr meinen zweiten Qualit\u00e4tsstern als Auszeichnung erhalten. Ich habe schon Tiere erfolgreich nach Spanien, Tschechien und in die Schweiz exportiert. Und ich chippe eventuelle Doppelg\u00e4nger in meiner Zucht, um sie sicher unterscheiden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Jahrgang 1975, lebe auf der Stadtgrenze zwischen K\u00f6nigswinter und Bad Honnef und halte seit meinem dreizehnten Lebensjahr nahezu durchg\u00e4ngig Kaninchen und Meerschweinchen. Auf die Cuys bin ich allerdings erst im Laufe des Jahres 2019 gesto\u00dfen. 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